Selbstverständlich gibt es Skripte ohne „Vielleicht“ und Konzepte, die glasklar sind. Aber das bringt uns zur nächsten Nebenwirkung von Storyboards. Wenn alles klar ist für Leute, deren Job das machen von Filmen und Werbespots ist – ist es dann automatisch auch für den Kunden klar? Anders gesagt: bekommst du eine Freigabe für einen Text oder Referenz-Clips, selbst wenn es gute sind? Falls nicht, braucht es nicht unbedingt ein besseres Konzept, sondern eine bessere Art, deins zu erklären. Ab einem gewissen Punkt bleibt jedes neue Mood Board eine genaue Antwort schuldig. Und noch mehr Charts, die zeigen, wie der Film „vielleicht“ aussieht, sind vielleicht nicht hilfreich beim gewinnen des Pitchs.
Als nächstes zeigt ein Storyboard in einer Präsentation automatisch etwas, was oft übersehen wird. Etwas, das über das gemeinsame Verstehen der Idee hinaus geht – aber was der Kunde braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Der Film ist in einer Show-Don’t-Tell Form wie erhofft sichtbar geworden, aber der Kunde hat etwas zusätzlich gezeigt bekommen: Leistung und Engagement seines Dienstleisters. Dieser hat sich soeben als Partner erwiesen, der nicht nur die richtige Idee hat, sondern diese auch handhaben kann und das bereits getan hat. Kein Verstecken hinter vagen Beschreibungen. Ein zu Ende gedachtes Konzept, so genau definiert, das der Kunde sofort sieht, über was er entscheiden soll. Wenn ein Werbespot hilft, das Produkt eines Kunden zu verkaufen, hilft ein Storyboard, diesem Kunden einen Werbespot zu verkaufen.
Eine ungewöhnliche Einsicht ist, dass ein gutes Storyboard oft weniger zeigt. Nicht auf der Ebene der Geschichte und der dort gelösten Probleme. Sondern bei den visuellen Details. Warum ist das nützlich? Weil es beim Treffen von Entscheidungen darauf ankommt, die wichtigen Entscheidungen zuerst zu machen. Wenn in einem Meeting entschieden werden soll, ob der Fim das Problem des Kunden löst, sollte niemand über die Haarfarbe der Kellnerin im Hintergrund einer bestimmten Szene diskutieren. Storyboarding ist die ständige Entscheidung, was in einen Frame gehört und zu welchen Zweck. Oft ist der Zweck „verkaufe diesen Werbespot in einer Präsentation“.
Was uns zu dem nächsten Aspekt bringt – ein Storyboard funktioniert sogar dann, wenn die Idee für den Kunden nicht funktioniert. Angenommen, du hattest deine Präsentation und der Kunde sagt „Danke“ (wenn er höflich ist), „aber das ist nicht ganz das, was wir meinten.“ Mit einem Storyboard ist es viel einfacher, sich darauf zu verständigen, was nicht funktioniert und was verbessert oder geändert werden soll. Jeder kann einfach auf genau die Stelle zeigen, an der es hakt. Es ist das selbe „Vielleicht“, das man los wird, nur dieses Mal nicht in Bezug auf was man will, sondern was man nicht will. Das ergibt das bestmögliche Gespräch, dass man angesichts der Situation führen kann.