Die Nebeneffekte eines Storyboards      -> English 🇬🇧

Previsualisierung ist eine Kernaufgabe, wann immer etwas Visuelles produziert werden soll – das ist keine neue Einsicht. Jeder, der in eine solche Produktion involviert ist, muss sehen können, wie das Ergebnis in etwa aussehen soll. Und ein Skript, Treatment oder eine DI ist nur ein Text. Ich habe festgestellt, dass ein Storyboard eine ganze Reihe zusätzlicher positiver Effekte auf ein Projekt hat, neben dem Abbilden von Shots und Frames. Sogar in Zeiten von KI, oder genauer gesagt, grade in diesen Zeiten. Und da mich diese Dinge sehr interessieren, fasse ich meine Gedanken hierzu einmal zusammen.

Das Offensichtliche zuerst: der Zweck eines Storyboards ist, beim Entwickeln der Story zu helfen und zugleich ein Planungs-Tool für alle Beteiligten zu erstellen – vom Konzept über die Regie, das Schauspielen, Producing, Post Production bis hin zu Budget-Klärung und natürlich Kundenwünschen.

Es ist meistens der erste Moment, in dem eine nur gedachte Idee oder ein Text eine visuelle Form annimmt. Und anders als Moodboards (die wichtig sind), gibt es einen Eindruck von Timing, Rhythmus und Ablauf. Als ich diese Art Arbeit begonnen habe, habe ich völlig unterschätzt, wie viele Menschen aus wie vielen Bereichen auf ein Storyboard schauen.

Aber ist es wirklich nur eine Anzahl Bilder zum anschauen? Bezahlt man am Ende für einen Stapel JPGs?

Im Verlauf meiner Karriere wurde schnell klar, das „Frames zeichnen“ eine deutlich zu eng gefasste Definition des Jobs war. Eine mögliche Beschreibung mit sehr viel Abstand ist, sich in jemandes Vision zu involvieren und bei deren Manifestierung zu helfen. Der Stapel JPGs am Ende ist nur ein Teil davon. Was man tatsächlich bezahlt, ist ein Gedankenprozess zur Strukturierung, Entwicklung, Evaluierung und Planung, der in einem Ergebnis mündet, das am meisten Benötigt wird: Entscheidungen.

Solange alles „irgendwie dies“ ist und „ungefähr so“ aussieht, navigiert man durch einen Nebel. Ein kreativer, notwendiger Nebel – aber trotzdem ein Nebel. Ein Storyboard ist ein mögliches Tool, um ein sehr kostspieliges und zeitraubendes Wort aus dem Weg zu räumen, und dieses Wort ist „Vielleicht“.

Oft hat die Regie diese Frage bereits beantwortet. Aber wenn ich sie stellen muss und die Regie mich dafür hasst, befinden wir uns im Vielleicht-Nebel. Der ist ein natürlicher Zustand jeden kreativen Projekts und die besten Ideen kommen aus diesem Zustand. Aber man kann sich nicht ewig dort aufhalten. An diesem Punkt zeichnet man vielleicht ein paar Frames. Aber wahrscheinlicher ist, dass ich anfange, Fragen zu stellen. Viele Fragen. Meine Fähigkeit zu zeichnen ist hier oft noch gar nicht nötig. Stattdessen muss ich als Sparring-Partner bereit sein, in die unbequem unvollständigen Bereiche der Story einzutauchen und mich dort zu orientieren. Wenn ich stattdessen lediglich mit einem Schulterzucken auf die Anweisung „zeichne genau das!“ warten würde, sollte man mich nicht buchen.

Hier entstehen bereits die ersten nützlichen Folgen. Es fallen einem (hoffentlich) Antworten ein, die die Löcher im Plot oder im Konzept schließen. Ideen entwickeln sich nicht, wenn man alleine auf eine Idee starrt, sondern wenn man mit jemandem zusammen auf die Idee reagiert, der das Format kennt und begreift, wo man hin möchte.

Ebenso erreicht man eine erste Überprüfbarkeit – wenn zwei Leute übereinstimmen, dass es so klappen könnte, besteht zumindest eine Chance, dass es auch wirklich klappt. Währenddessen erarbeite ich mir alles, was ich über die Idee wissen muss, um das Storyboard machbar werden zu lassen. Aber am wichtigsten ist vielleicht, dass wir mögliche Probleme früh identifizieren und helfen, später allen Beteiligten eine Menge Ärger zu sparen, wenn Zeit, Geld und Geduld knapp werden. Ja, das ist ein Investment – eines, dass die meisten bereuen, nicht gemacht zu haben. Wer wissen will, was eine Story kosten wird, muss die Story kennen. Ein großer Teil von Storyboarding hat also absolut nichts mit Zeichnen zu tun.

Selbstverständlich gibt es Skripte ohne „Vielleicht“ und Konzepte, die glasklar sind. Aber das bringt uns zur nächsten Nebenwirkung von Storyboards. Wenn alles klar ist für Leute, deren Job das machen von Filmen und Werbespots ist – ist es dann automatisch auch für den Kunden klar? Anders gesagt: bekommst du eine Freigabe für einen Text oder Referenz-Clips, selbst wenn es gute sind? Falls nicht, braucht es nicht unbedingt ein besseres Konzept, sondern eine bessere Art, deins zu erklären. Ab einem gewissen Punkt bleibt jedes neue Mood Board eine genaue Antwort schuldig. Und noch mehr Charts, die zeigen, wie der Film „vielleicht“ aussieht, sind vielleicht nicht hilfreich beim gewinnen des Pitchs.

Als nächstes zeigt ein Storyboard in einer Präsentation automatisch etwas, was oft übersehen wird. Etwas, das über das gemeinsame Verstehen der Idee hinaus geht – aber was der Kunde braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Der Film ist in einer Show-Don’t-Tell Form wie erhofft sichtbar geworden, aber der Kunde hat etwas zusätzlich gezeigt bekommen: Leistung und Engagement seines Dienstleisters. Dieser hat sich soeben als Partner erwiesen, der nicht nur die richtige Idee hat, sondern diese auch handhaben kann und das bereits getan hat. Kein Verstecken hinter vagen Beschreibungen. Ein zu Ende gedachtes Konzept, so genau definiert, das der Kunde sofort sieht, über was er entscheiden soll. Wenn ein Werbespot hilft, das Produkt eines Kunden zu verkaufen, hilft ein Storyboard, diesem Kunden einen Werbespot zu verkaufen.

Eine ungewöhnliche Einsicht ist, dass ein gutes Storyboard oft weniger zeigt. Nicht auf der Ebene der Geschichte und der dort gelösten Probleme. Sondern bei den visuellen Details. Warum ist das nützlich? Weil es beim Treffen von Entscheidungen darauf ankommt, die wichtigen Entscheidungen zuerst zu machen. Wenn in einem Meeting entschieden werden soll, ob der Fim das Problem des Kunden löst, sollte niemand über die Haarfarbe der Kellnerin im Hintergrund einer bestimmten Szene diskutieren. Storyboarding ist die ständige Entscheidung, was in einen Frame gehört und zu welchen Zweck. Oft ist der Zweck „verkaufe diesen Werbespot in einer Präsentation“.

Was uns zu dem nächsten Aspekt bringt – ein Storyboard funktioniert sogar dann, wenn die Idee für den Kunden nicht funktioniert. Angenommen, du hattest deine Präsentation und der Kunde sagt „Danke“ (wenn er höflich ist), „aber das ist nicht ganz das, was wir meinten.“ Mit einem Storyboard ist es viel einfacher, sich darauf zu verständigen, was nicht funktioniert und was verbessert oder geändert werden soll. Jeder kann einfach auf genau die Stelle zeigen, an der es hakt. Es ist das selbe „Vielleicht“, das man los wird, nur dieses Mal nicht in Bezug auf was man will, sondern was man nicht will. Das ergibt das bestmögliche Gespräch, dass man angesichts der Situation führen kann.

Du hast also ein Job-Go (prima!). Was du auch hast, ist ein Team von Leuten, die in deine Richtung schauen mit der Frage im Gesicht: „Was müssen wir machen?“

Es geht immer noch darum, sich in die Umsetzung von jemandes Vision zu involvieren. Diese Vision muss nicht nur dem Kunden verkauft werden. Genau so muss sie mit allen Leuten geteilt werden, die sie am Ende in die Welt bringen. So dass sie dann ihr Zauberwerk (oder für was auch immer sie angestellt worden sind) ausführen können. Nicht nur müssen Shots, Action, Kamera, SFX usw. geplant werden, sondern alle müssen in Richtung des selben Ziels arbeiten können. Wenn ich jemandem eine Szene erzähle, sieht sie in jedem Kopf anders aus. Sobald wir sie uns tatsächlich anschauen können, wird sie eine Arbeitsanweisung – und Aufgaben werden erledigt. Wenn Fehler enthalten sind, kann jeder diese aus seinem spezifischen Blickwinkel identifizieren, wo der Regisseur und der Storyboarder das nicht konnten. Alles wird weniger holprig. Und in der Werbebranche ist das oft das Optimum.

Mehr noch überrascht mich jedes Mal wieder, wie ein Storyboard ein ganzes Team aufladen kann, obwohl alle die Story bereits irgendwie kennen. Es wirkt scheinbar wie der Startschuss für die Läufer – wenn du weißt, was du tun musst, willst du, dass es erledigt wird.

Mehr denn je stehen Projekte unter enormem Budget-Druck. Wo es eine günstigere Lösung gibt, wird diese auch verwendet werden. Wird KI Frames und Shots kostenlos liefern? Ja.

Eine riesige Menge an Content wird bereits vollkommen automatisiert generiert. Es geht nicht darum, ob uns das gefällt, sondern um den Unterschied zwischen Interaktion und Wirkung. Algorithmen bevorzugen größtmögliche Interaktion – dafür sind sie programmiert. Diese Interaktion mag hoch sein, aber nichts bleibt hängen und wirkt. Des Weißen Rauschen.
Wo jeder das Gleiche in unbegrenzter Menge kostenlos erzeugen kann, ist „mehr davon“ kein Job mehr. Wirkung erzeugen ist der Job. Authentizität ist inzwischen die häufigste Anforderung in Kunden-Briefings. Und das bringt uns zurück an den Ort, an den wir gehören: den Nebel.

Automation funktioniert unter einer Bedingung: das Fehlen von „Vielleicht“.
Solange wir zusammenarbeiten, ist es messy. Solange wir für Kunden arbeiten, müssen wir nicht nur Entscheidungen treffen, sondern uns diese erst erarbeiten. Unendlicher Output braucht Urteilsvermögen mit Erfahrung. Das gibt es nicht kostenlos. Aber ich glaube nicht, dass es günstiger wird, wenn wir das alles überspringen. Eine Lösung, die es umsonst gibt, wird bereits von anderen verwendet. Ein automatisches Ergebnis, dass ständig überarbeitet oder neu generiert werden muss, bis es passt, kostet mehr. Wer etwas anderes als „das Gleiche“ erzeugen will, dessen Werkzeug ist nicht Automation.

Meine Werkzeuge sind Kommunikation, kreative Assoziation, Komplexität ordnen und – Zeichnen, damit ich mir alles schnell anschauen kann. Ich bin überzeugt, das in „messy“ Situationen mit hoher Komplexität, Unklarheit, ständigen Änderungen und keinen eindeutigen Kriterien für Erfolg nichts so gut funktioniert wie der menschliche Verstand in Kommunikation. Nichts ist flexibler. Nichts erzeug mehr Ideen als Nebenprodukt beim Lösen eines Problems. Nichts ist günstiger. Für mich ist das der Nebel, in dem ich arbeiten möchte – und mich selbst immer wieder aus ihm heraus. Ich nenne das Sinn. Und würde nicht verpassen wollen, wie das jedes mal auch mich transformiert. Ich strebe nicht nach reiner Ausführung. Wenn das für dich ebenfalls sinnvoll klingt, kann ich in deinem Projekt vielleicht hilfreich sein. Wir sehen uns im Nebel!

So hilft es dir mit deinem Kunden:

  • Ein Storyboard macht deinen Idee klar verständlich
  • Es verdichtet die Geschichte auf den Kern, so dass man sich nicht in Detail-Diskussionen verliert
  • Es beweist dein Engagement und geleistet Arbeit
  • Der Kunde kann verstehen, über was genau er eine Entscheidung fällen muss
  • Bei Differenzen ist es deutlich leichter, diese zu benennen und konstruktiv zu lösen
  • Es gewährleistet, dass bereits mehrere Leute auf die Idee reagieren konnten und verhindert so einen Blindflug mit der Hoffnung auf einen emotionalen Impact
  • Es hilft, deinen Pitch zu verkaufen

So hilft es dir intern:

  • Ein Storyboard ist ein Planungs- und Kommunikations-Tool

  • Es macht Entscheidungen möglich

  • Es ist eine der frühesten Übersetzungen ins Visuelle

  • Es macht Timing, Rhythmus und Fluss abschätzbar

  • Es eliminiert blinde Flecken in einem Konzept

  • Es fördert Ideen-Kollaboration anstatt isoliertes Denken und ist durch den Einsatz von Bildern brain-freindly

  • Es ist mehr ein Entwicklungsprozess als reine Ausführung

  • Es bietet schnell und günstig eine Überprüfbarkeit der Idee

  • Es adressiert Probleme sehr früh im Projektverlauf

  • Es ist unerhört flexibel und anpassbar

  • Alle gelangen zu einem gemeinsames Verständnis

  • Die nachfolgenden Prozesse bleiben kohärent

  • Es inspiriert

  • Es funktioniert besonders im Ungewissen, wo alles komplex und in ständiger Veränderung ist und automation nicht brauchbar ist

  • Es hilft, eine Vision in die Welt zu bringen